Sonntag, 9. November 2008

Der Koloss von Prora - Kraft durch Freude

Das KDF-Seebad Prora auf Rügen sollte über 20.000 Menschen eine Urlaubsmöglichkeit bieten.

(c) Privat

In den Jahren 1935 bis 1939 wurde ein großer Teil des geplanten Seebades errichtet - der Koloss von Prora. Es gibt acht Häuserblocks mit einer Länge von etwas 4,5 km in einem Abstand von 150m zum wunderschönen flachen Sandstrand. Der Bereich zwischen Gebäuden und Küste ist heute mit Kiefern und niedrigem Gebüsch bewachsen.

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Der gigantische Komplex ist denkmalgeschützt und verfällt immer mehr. Vandalismus beschleunigt den Verfall zusehends.


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Der Koloss von Prora liegt zwischen Sassnitz und Binz an der Prorer Wiek, einer weitläufigen Meeresbucht, die den Kleinen Jasmunder Bodden vom Prorer Wiek der Ostsee trennt.

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Während der Zeit des Nationalsozialismus wurde von der Staatsführung eine umfangreiche, ideologisch besetzte Sozialpolitik betrieben. Eines der Kernelemente dieser Politik war die Organisation Kraft durch Freude, die durch günstigen Urlaub den allgemeinen Lebensstandard der Bevölkerung heben sollte. Der Bau von insgesamt fünf Seebädern für jeweils 20.000 Menschen war geplant, die es der Bevölkerung ermöglichen sollten, günstig jeweils zwei Wochen im Jahr Urlaub zu machen. Das einzige in Teilen realisierte Projekt aus diesem Plan ist das KdF-Seebad Rügen, Prora.

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In den drei Jahren zwischen 1936 und 1939 wurden die acht Gästeblöcke errichtet. Bereits in der damaligen Zeit fanden die Bauarbeiten internationale Beachtung. So wurde bei der Weltausstellung 1937 in Paris ein Modell des Seebades Prora mit einem Grand Prix ausgezeichnet.

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Bei Kriegsbeginn 1939 wurden die Bauarbeiten weitgehend gestoppt. Mit Ausnahme eines Blocks waren die acht Wohnblöcke, die südliche Festplatzrandbebauung und die Kaianlage bereits im Rohbau fertiggestellt, nicht jedoch die Schwimmbäder, die Festhalle und weitere Teile der Wirtschaftsgebäude.
Im Krieg diente die Anlage als Ausbildungsstätte für Luftwaffenhelferinnen und ein Polizeibataillon.

  • Ab 1944 diente Prora der Wehrmacht als Lazarett und gegen Ende des Krieges fanden dort auch Flüchtlinge aus den Ostgebieten eine Bleibe. Ab 1945 wurde die Anlage von der Sowjetunion zur Internierung von Grundbesitzern und weiterhin zur Unterbringung von Heimatvertriebenen aus den Ostgebieten genutzt.
  • Zwischen 1948 und 1953 wurden die Bauten von der Sowjetarmee genutzt, die den südlichsten Rohbau sprengte und abtrug.
  • Die nach 1949 ebenfalls eingezogene Kasernierte Volkspolizei, aus der 1956 die Nationale Volksarmee (NVA) der DDR hervorging, nutzte die Gebäude als Kaserne wo bis zu 10.000 Soldaten stationiert waren.
  • In dem Komplex befand sich die Technische Unteroffiziersschule der NVA, außerdem wurden Soldaten aus politisch befreundeten Entwicklungsländern wie Angola oder Mosambik ausgebildet.
  • In den 1980er Jahren waren in Prora bis zu 500 Bausoldaten stationiert, die beim Bau des in der nördlichen Umgebung des Objektes gelegenen Fährhafens Mukran arbeiteten. Der südlichste Teil der Anlage stand Angehörigen von NVA und Grenztruppen als Erholungsheim, Kinderferienlager und Ferienort zur Verfügung.
  • Nach der Deutschen Wiedervereinigung 1990 übernahm die Bundeswehr als Nachfolger der NVA das Gelände, stellte die Nutzung aber Ende 1992 ein und verließ Prora.
  • Seit Anfang 1993 ist die Anlage öffentlich zugänglich. Sie befindet sich nach wie vor im Besitz der Bundesrepublik Deutschland.
  • Seit über zehn Jahren versucht die Bundesvermögensverwaltung die unter Denkmalschutz stehende Anlage ganz oder in Teilen zu verkaufen.


Heute gibt es in Block 3, Prora Mitte, und dem Querbau mit Ruinen und der Kaianlage diverse kulturelle Einrichtungen:

  • die Museumsmeile Prora mit einem KdF-Museum (Museum Prora)
  • Museum der NVA
  • Rügen-Museum und Sonderausstellungen
  • die Bildergalerie Rügenfreunde
  • ein Wiener Kaffeehaus

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Im Querriegel von Block 3 befindet sich das Dokumentationszentrum Prora, wo die Dauerausstellung „MACHTUrlaub – Das KdF-Seebad Rügen und die deutsche Volksgemeinschaft“ gezeigt wird. Die Ausstellung dokumentiert die Bau- und Nutzungsgeschichte der Anlage. Thematisiert werden die Hintergründe des Projekts und seine Vereinnahmung durch die nationalsozialistische Propaganda.

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Daneben bettet die Präsentation die Geschichte der Anlage in die Arbeits- und Sozialgeschichte des „Dritten Reiches“ ein.

Das Boxsportmuseum aus Sagard ist nach Prora umgezogen. Das Museum wurde im Jahr 2004 geschlossen. Die Exponate sind jetzt in der Proraer Museums-Meile zu sehen.

Am 15. März 2008 eröffnete auf dem 3,7 Hektar großen Küstenwaldareal des Komplexes ein Hochseilgarten. Insgesamt wurden 460.000 Euro in den Bau der neuen Sportanlage investiert.

2 Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Prora muß in seiner größe und "Schönheit",was in dem Auge des Betrachters liegt, erhalten bleiben. Der Verkauf vom Kdf-Seebad Prora und der dadurch gewährleisteten Erhaltung der Anlage ist der beste Weg zur Erinnerung an unsere Geschichte.

Anonym hat gesagt…

hallo freunde
auch ich habe meinen dienst da gemacht u muß sagen ich habe schöne u natürlich auch böse erinnerungen an diese städte. da ich aber dann in der küche war ist es eine schöne sache das alles mal wieder zu sehen
ggLLG an alle die auch da wahren
dirk jürgens soldat

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