Montag, 10. August 2009

Schiffe der Hanse – Geschichte des Ostseeraums

Foto: ostSeh/Küstermann

Lohme. (ostSeh) Lange war die Hanse ein Mythos. Nicht nur Störtebeker hat dazu beigetragen. Das Handelsmonopol hat ganze Städte aufblühen lassen und die Basis für deren heutige Bedeutung gelegt. Wenn also Thomas Förster, heute Meeresmuseum und Experte für unterwasserarchöologische Funde, noch diesen Monat sein Buch vorlegt, darf man auf Geschichte pur gespannt sein. Teile des Werks aus dem Hinstorff-Verlag hat er schon einmal vergangene Woche in Lohme vorgestellt, als er im Haus Linde vor deutlich weniger Publikum sprach, als bei klassischen Rügenthemen. Doch die Luchte von 1306, deren Betreiben Hiddenseer Mönche der Stadt Stralsund zusicherten, um die Zufahrt dorthin zu gewährleisten, ist nur ein Beispiel des Einflusses der Hanse. Darum schöpft Förster bei seinen Forschungen auch vor allem aus dem Wasser. Genau genommen aus den 1400 und mehr Wracks der Ostsee, die Aufschluss beispielsweise über die Baugeschichte der Koggen geben. Bis hin zu einem Nachbau des Ralswiek-Wracks oder der Poeler Kogge. Forschung, wie sie beispielsweise Schweden und Dänemark schon seit Jahrzehnten betreiben.
Lübeck, Wisby als Drehscheibe des Handels, Wismar, 1226 Stadtrecht, Rostock (1218), Stralsund (1243) und Danzig (1224) sind Städte unserer Region, deren Überlieferungen heutige Hanse-Bilder prägen. Am Beispiel von falschen und echten Koggen zeigte Förster auf, wie schwer es war und ist, autentisches Material Beispielsweise aus Petschaften von Siegeln zu erhalten und auszuwerten. So sind die Flagg-Schiffe eines populären Stralsunder Biers mitnichten Koggen, prägen jedoch als solche ein falsches Bild. Auch die Erkenntnis des hierzulande lange angewandten Schalenbaus ohne Pläne, bei dem die Spanten erst nachträglich an die Schale angepasst erden, verdankt man der Forschungstaucherei nach Wracks wie vor dem Darsser Ort (1313), das im Gegensatz zur unbenutzt gesunkenen Bremer Kogge (1380) sogar durch Ladung Rückschlüsse zuließ. Förster musste jedoch auch bedauernd sagen, dass die Erkenntnisse unserer angrenzenden Nachbarn seit mehreren Jahrzehnten in Ausstellungen und Forschungen Niederschlag finden, Rügen und damit MV jedoch weiterhin um das einzige Museum für Unterwasserarchäologie in Sassnitz kämpfen muss.

© 2009 ostSeh / ANDREAS KÜSTERMANN

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