Donnerstag, 16. Juli 2009

Jubilar Lamara dreht eifrig seine runden

Jubilar Lamara angehübscht auf Tour
Details aus dem Inneren der Jubilarin... Fotos: ostSeh/Küstermann

AKTUELL im BILD: Liss STÖRMER aus Laboe betrieb mit ihrem Mann von 1974 bis 1990 die MS LAMARA, bis sie nach Baabe ans Bollwerk kam. "Ich bin sehr glücklich, dass das Schiff wieder in Farbe ist", sagt die 79-jährige beim Besuch zur Jubiläumsfahrt am Baaber Bollwerk. Hier mit Bootsfrau Anja LAWATSCH und Kapitän Heinrich OLBERT, der eben mal zehn Jahre älter ist, als seine Lamara.

Baabe. (ostSeh) 50 Jahre ist es her. Da wurde der Schiffsdiesel MAK MV 36 nach der Kiellegung der MS Sonderborg auf der Werft Hugo Peters in Wewelsfleth an der Stör eingebaut. „Er ist das Herz unseres Schiffes“, sagt Bootsfrau Anja Lawatsch und wünscht ihm am 50 Geburtstag noch eine lange Lebensdauer. Es war das Jahr 1959 und die BRD ging dem Wirtschaftswunder zu. Bei einer Leistung von 500 Umdrehungen pro Minute bringt der „Langhuber“, also ein Motor mit langem Hubraum, 118 kW, was den alten 160 PS entspricht, auf die Schraube. Er treibt damit 124 Tonnen bei einer Verdrängung von 113,85 Kubikmetern. Die Maße der heutigen Lamara belaufen sich auf 29,33 Meter Länge, 5,86 Meter Breite und 1,50 Tiefgang. Und geölt wird bei Bedarf von außen an den Ventilschäften von Kapitän oder Bootsfrau.
Dass die alte Dame für die Hochsee als Butterschiff gebaut wurde, erzählt beim Losmachen am Baaber Bollwerk Lissi Störmer vor der goldenen 50 mit Lorbeerkranz am Schiffsrumpf. „Wenn das mein Mann sehen könnte, wie die Lamara wieder unter Farbe steht“, sagt sie gerührt und lässt anklingen, dass sie schon früher das Schiff in ganz anderem Zustand beim Voreigner gesehen hat. Von Laboe ist die rüstige Unruheständlerin eigens angereist, hat ihren geliebten niederdeutschen Abend saußen lassen. Aktivitäten, die ihr, wie sie meint, keine Zeit zum Altern lassen. Vielleicht geht es der Maschine der Jubilarin bei kontinuierlicher Pflege ebenso.1961 ging der Weg der Lamara als Fair Lady in die Niederlande, 1974 nach Kiel wo sie in der Kieler Förde unter Kapitän Störmer lief. Bürgermeister Dieter Mathis erzählt dann während der Fahrt, dass man damals wegen des Bollwerks nicht auf den Zug mit den Seebrücken aufgesprungen sei. „Wir wünschten uns wieder Schifffahrt. Am liebsten bis in den Selliner See wie vor den 1960-er Jahren . 1990 kam zur Freude von Matthis die schon betagte Dame Lamara nach Baabe. Die späteren und wohl letzten Eigentümer Anja Lawatsch und Heinrich Olbert feiern jetzt den runden 50-ziger Geburtstag in dieser Woche. Mit dabei auch Dirk Vetters, der Hausbanker der Lamara. Er empfindet es als etwas Besonderes, so ein altes Schiff zu finanzieren. „Ich freue mich auch trotz aller Widrigkeiten bei der Entwicklung des Standortes Bollwerk“, nimmt Vetters heute ebenfalls noch Anteil.
Mehrfach läuft die Lamara zur Saison täglich rund um die Naturschutzinsel Vilm. Dabei steuert sie Kapitän Heinrich Olbert, der dieses Jahr ebenfalls mit 60 genullt hat. Wie es sei, so als quasi Busfahrer jeden Tag rund Vilm zu fahren, frage ich ihn etwas despektierlich. Olbert lacht. „Das ist nicht zu vergleichen. Wetter, Wolken, Seegang und nicht zuletzt die Gäste sind immer wieder neu. Und manchmal spreche ich meine Fahrgäste auch an, komme mit ihnen ins Gespräch. So geht denen das auch untereinander, ist an Deck eben zwischen Bürgermeister Matthis und Wolfgang Husmann zu erleben. Sie erzählen von alten Zeiten, wie das Vilm-Boot geklaut wurde. Husmann sagt, er fahre gerne immer wieder, obwohl er hier zu Hause ist. Als kleiner Junge hat er den Vilm noch als Zielscheibe erlebt und wie die Munitionsschiffe beim Abtransport durch die Russen explodierten. Und dann stellt sich raus, dass Husmann aus früherer Tätigkeit in Kiel die frühere Eignerin der Lamara kennt. Das muss es wohl sein, was der Kapitän auf dem alten Schiff an der Atmosphäre liebt und für ihn ein wenig Hobby ist.

© 2009 ostSeh / ANDREAS KÜSTERMANN


3 Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Schade,dass die Crew auseinander geht. Hoffentlich findet der Kapitän Ersatz damit die Lamara auch nächstes Jahr ihre Runden dreht.

Anonym hat gesagt…

na bisher machen sie doch aber seit dem auseinandergehen einen guten und professionellen eindruck... und haben es doch schon ein jahr "nur" arbeitstechnsich ausgehalten. klaro, dass solche familienbetriebe natürlich immer eine mischkalkulation darstellen und dann bei externen kräften ohne bootsfrau lawatsch anders rechnen müssten.

Mönchguter Zimmervermittlung hat gesagt…

Immer wieder schön anzusehen, wenn die Lamara in der Having mit zahlreichen Gästen an Board an einem vorbeifährt. Ob nun vormittags oder nachmittags, bei Sonne oder Wind dreht die Lamara Ihre Runde um die Insel Vilm und danach wieder in den Hafen einzulaufen. Weiter so. Andreas W.

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